Wesensveränderung bei Diabetes Typ 2 Depression und Demenz

Wesensveränderung bei Diabetes, Depressionen und Demenz sind heftige Folgen eines Diabetes.

Eine Wesensveränderung bei Diabetes kommt viel häufiger vor als im Durchschnitt der Bevölkerung. Ebenso spielen Wesensveränderungen durch Demenzerkrankungen und Depressionen eine unheilvolle Rolle bei Diabetes-Patienten.

Was du dazu wissen solltest, wenn du an Diabetes Typ 2 erkrankt bist und was du dagegen tun kannst, liest du in diesem Beitrag. Dabei greife ich auch auf meine Erfahrungen aus meinen Online-Diabetesschulungen zurück. Dort bekomme ich immer Informationen aus erster Hand von Betroffenen.

In diesem Artikel erfährst du zunächst die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Depression.

Im zweiten Teil geht es dann um Demenzerkrankungen wie etwa Alzheimer bei Diabetes. Am Schluss zeige ich dir Möglichkeiten, wie du diese Folgen verhindern kannst.

Diabetes und Depression, das diabolische Duo

Das Risiko für Wesensveränderungen, vor allem in Form von depressiven Verstimmungen, bis hin zu einer handfesten Depression, ist bei Diabetes deutlich erhöht. Aber auch umgekehrt besteht ein hohes Risiko. Menschen, die an Depressionen leiden, entwickeln viel häufiger einen Diabetes Typ 2 als Menschen ohne die düstere Wesensveränderung.

Forscher an der Universität Ulm haben vor kurzem mit Daten aus der KAROLA-Langzeitstudie (Langzeiterfolge der KARdiOLogischen Anschlussheilbehandlung) ermittelt, dass Menschen mit einer Depression ein mehr als doppelt so hohes Risiko für einen Diabetes Typ 2 haben. Hier findest du die Presseinformation dazu, hier findest du die Originalstudie (in Englisch).

Woher kommen die Depressionen bei Diabetes?

Für die hohe Zahl an Menschen, die neben ihrem Diabetes Typ 2 auch eine Depression entwickeln, gibt es zwei Erklärungsansätze. Zum einen ist die psychische Belastung durch die Diabetes-Erkrankung ein großer Risikofaktor. Ständige Arztbesuche, die laufende Blutzuckerkontrolle und die Angst vor den Spätfolgen spielen hier eine Rolle. Eine Diabetes-Therapie ist anstrengend und stressig.

Diabetes und Depressionen, ein diabolisches Duo
Diabetes und Depressionen, ein diabolisches Duo

Entweder Heilung deines Diabetes Typ 2 oder Belastungen durch eine endlose Diabetes-Therapie

Innerhalb eines Zeitraumes von etwa sechs Jahren nach deiner Diabetes-Typ2-Diagnose hast du nach dem derzeitigen Stand der Forschung die beste Chance, deinen Diabetes vollständig zu heilen. Hier erfährst du mehr über die Heilung von Diabetes-Typ-2 auf Basis der DiRECT-Wissenschaftsstudie.

Die Heilung ist der beste Weg, um eine dauerhafte, belastende Therapie zu verhindern. Blutzuckersenkende Mittel müssen bei einer Heilung (von den Fachleuten auch Remission genannt) nicht mehr eingenommen werden. Damit stehen die schwersten Folgeerkrankungen eines Diabetes Typ 2 auch nicht mehr auf dem Zettel.

Wenn eine vollständige Heilung nicht mehr möglich ist, solltest du deine Zuckerwerte ständig beobachten und kontrollieren. Das gilt vor allem für den Langzeitzuckerwert HbA1c. Es sind häufige Arztbesuche notwendig und die Angst vor den schlimmen Folgen eines Diabetes Typ 2 wird größer. Deshalb ist es das Ziel, einen Langzeitzuckerwert (HbA1c) von unter 6,5% (48mmol/mol) zu erreichen und zu halten.

Je mehr dein HbA1c darüber liegt, desto eher und desto heftiger kannst du von den Folgen getroffen werden. Eine der Folgeerscheinungen eines schlecht eingestellten Diabetes ist der Diabetes Stress. Die Fachleute sagen dazu „Diabetes-Distress“.

Diabetes-Stress als Auslöser von Depressionen – ein Teufelskreis beginnt

Dieser Diabetes-Stress führt dazu, dass dein Körper vermehrt das Stresshormon Kortisol ausschüttet. Das ist eine natürliche Reaktion deines Körpers, um sich auf Gefahren vorzubereiten. Die Körperzellen werden sozusagen in „ständige Alarmbereitschaft“ versetzt.

Entsprechend steigen deine Blutzuckerwerte. Denn früher bedeutete Stress immer auch „Gefahr“. Und bei Gefahr muss man kämpfen oder flüchten. Darauf sind unsere Körper durch die Jahrtausende programmiert worden.

Um also für Flucht oder Kampf bereit zu sein, stellt der Körper mit der Ausschüttung von Kortisol mehr Energie durch einen höheren Blutzuckerspiegel bereit. Das wiederum führt dazu, dass später das Hormon Ghrelin ausgeschüttet wird. Dieses erhöht den Appetit auf kohlenhydrathaltiges Essen. Damit sollen dann die Speicher schnell wieder aufgefüllt werden.

In unserer Zeit entsteht Stress nicht mehr durch Gefahrensituationen. Er ist oft ein alltäglicher Begleiter, besonders wenn du dich ständig um deine Diabetes-Therapie kümmern musst und dir Sorgen über deine Krankheit machst. Du lebst dann ständig in einer Art von Dauerstress, die Kortisolwerte sind dauerhaft erhöht.

Für uns Diabetiker ist Stress also überhaupt nicht gut. Er führt zu höheren Blutzuckerspiegeln und begünstigt eine weitere Gewichtszunahme. Dadurch entsteht mehr von dem gefährlichen Bauchfett, das selbst viele Entzündungshormone ausschüttet. Es entsteht ein sogenanntes „metabolisches Syndrom“.

Damit du selbst deinen HbA1c-Wert gut beurteilen kannst, findest du hier im Beitrag eine Tabelle und einen HbA1c-Rechner für deinen Langzeitzuckerwert. Wenn du mehr wissen willst, hol dir mein E-Book zum Thema „Richtiges Blutzuckermessen“. Kostet dich keinen Cent, meinen Newsletter bekommst du damit auch.

Die bei einer Depression typischen Stimmungsschwankungen und Wesensveränderungen haben ihre Ursache häufig in einer schlechten Blutzuckereinstellung. Der Dauerkreislauf von Stress, hohen Kortisolwerten, hohen Blutzuckerwerten und deshalb schlechter Therapieerfolge ist beängstigend.

Es gibt noch ein zusätzliches Risiko, das durch einen schlecht eingestellten Blutzuckerwert begünstigt wird: die frühzeitige Entwicklung einer Demenz.

Demenz und Diabetes Typ 2

Die Demenz ist eine Erkrankung, die eine Ursache in der Ablagerung von sogenannten „Plaques“ in deinem Gehirn hat. Eine weitere Ursache können Durchblutungsstörungen im Gehirn sein, die sogenannte vaskuläre Demenz. Eine Demenzerkrankung äußert sich in vielen Formen. Anfangs beginnt es mit Störungen bei der Fähigkeit, sich zu konzentrieren.

Später kommen Erinnerungsstörungen hinzu. Man kann sich schlechter an Namen oder Geburtstage erinnern, wird vergesslicher. Dann kann man sich nicht mehr daran erinnern, welcher Tag heute ist oder in welchem Monat man ist. Schließlich wird sogar die eigene Umgebung, etwa die Wohnung, nicht mehr erkannt.

Eine frühzeitige Demenzerkrankung ist besonders tückisch für viele von uns Diabetikern, weil sie oft in Schüben verläuft. Die Grenze, an der man seinen freien Willen verliert, kann schneller kommen als gedacht.

Diabetes_und_Demenz
Diabetes und Demenz Risiko ist hoch

Das Risiko für eine Demenz ist bei Diabetikern doppelt so hoch

Aus den vielfältigen Studien zum Thema Diabetes und Demenz ergibt sich, dass Personen mit einer Diabeteserkrankung doppelt so häufig eine Demenz entwickeln wie gleichaltrige Personen ohne Diabetes. Wegweisend für diesen wissenschaftlichen Befund war hier die „Rotterdam-Studie“. Auch die zu den Demenzerkrankungen gehörende Alzheimer-Krankheit kommt bei Diabetikern etwa doppelt so häufig vor.

Ursachen für die Demenz bei Diabetes

Die Ursache für eine Demenz bei Diabetes liegt im insgesamt gestörten Stoffwechsel. Depressionen können den Erkrankungsverlauf beschleunigen. Konkret sind die Risikofaktoren ganz ähnlich wie bei den vom Diabetes ausgelösten Depressionen.

Schlecht eingestellte Blutzuckerwerte, erhöhte Blutfette, erhöhter Blutdruck, Übergewicht und nicht ausreichende Bewegung sind diese Risikofaktoren. Alle diese Faktoren führen zu Durchblutungsstörungen im Gehirn, dem zentralen Auslöser der vaskulären Demenz.

Demenz nicht heilbar

Anders als beim Diabetes Typ 2 gibt es bislang keine Möglichkeit, eine Demenzerkrankung, wie etwa Alzheimer, aufzuhalten oder umzukehren. Gerade erst ist ein hoffnungsvolles Medikament in den Studien komplett durchgefallen.

Das vom Schweizer Pharmakonzern Roche entwickelte Gantenerumab konnte in den beiden mit Spannung erwarteten Studien Graduate 1 und Graduate 2 nicht überzeugen. In einigen Tagen wird Roche dazu die Details präsentieren. Das Ergebnis ist aber jetzt bereits ernüchternd. Der große Hoffnungsträger ist gescheitert. Positive Veränderungen waren nicht messbar häufiger als ohne das Medikament.

Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass du alles daransetzt, deinen Diabetes Typ 2 unter Kontrolle zu bringen. Im besten Falle kannst du es schaffen, deinen Diabetes Typ 2 zu heilen.

Aggressivität durch zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte

Bei Diabetespatienten, die mit Insulin behandelt werden müssen, kann es zu schweren Unterzuckerungen kommen. Hier besteht Lebensgefahr. Anzeichen einer beginnenden schweren Unterzuckerung können auch Wesensveränderungen bis hin zu Aggression und Gewalt sein.

Beides kann jedoch auch durch viel zu hohe Blutzuckerwerte auftreten, ohne dass eine Insulintherapie vorliegt. Dies betrifft häufig schlecht eingestellte Diabetes-Typ-2-Patienten. Bei beiden Varianten besteht die beste Vorsorge darin, einen gleichmäßig guten Blutzuckerspiegel zu erreichen.

Bei einem Verdacht auf schwere Unter- oder Überzuckerung sollte sofort der akute Blutzuckerwert am Finger gemessen werden. Bei Werten unter 50 mg/dl bzw. über 350 mg/dl sollte ein Notarzt gerufen werden. Bei sehr niedrigen Werten kann stark zuckerhaltige Flüssigkeit (Säfte, Cola, Limo, keine zuckerfreien natürlich) Hilfe leisten, solange der Patient ansprechbar ist.

Vorsicht: Vorher muss der Blutzucker gemessen werden um sicherzustellen, dass es tatsächlich um einen viel zu niedrigen Blutzuckerspiegel geht.

Was du gegen Wesensveränderungen, Depression und Demenz bei Diabetes tun kannst

Selbst wenn deine Diagnose schon länger als sechs Jahre zurück liegt und deshalb die Heilungschancen für deinen Diabetes Typ 2 geringer sind, kannst du viel für dein Gehirn tun. Und das hat nichts mit Gehirnjogging zu tun.

Den größten Effekt erreichst du mit einer guten Blutzuckereinstellung. Sorge dafür, dass dein Langzeitzuckerwert HbA1c unter 6,5 % (48 mmol) kommt. Dabei hilft dir am allerbesten mein 4-Säulen-Modell. Es besteht aus deiner eigenen Motivation, einer klugen Strategie zum Blutzuckermessen, besserer Ernährung und mehr Bewegung im Alltag. Hier erfährst du mehr über die 4-Säulen-Strategie.

Gerade bei Stoffwechselerkrankungen ist mehr Bewegung ein echter Gewinn. Wenn du es schaffst, dich körperlich mehr zu bewegen, kannst du deinem Körper auf vielen Ebenen etwas richtig Gutes tun. Dabei geht es nicht unbedingt darum, ein Sportler zu werden. Häufige, längere Spaziergänge sind ein hervorragender Anfang, um aus dem Tief herauszukommen.

Ein schönes Beispiel war heute im SPIEGEL zu lesen. Dabei schildern der „Bewegungspapst“ Ingo Froböse und das „Best Ager Model“ Hans-Peter „Pingo“ Magduscheswki, schlappe 69 Jahre alt, wie sich Fitness auch im letzten Drittel deines Alters steigern lässt. Nein, dazu muss man keinen Marathon laufen. Ein regelmäßiger Besuch im Gym reicht völlig.

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FAQ Wesensveränderung bei Diabetes Typ 2 Depression und Demenz

Eine schlechte Einstellung der Zuckerwerte ist die grundlegende Ursache für Depressionen und Demenzerkrankungen. Versuche, deinen Langzeitzuckerwert HbA1c unter 6,5 % (48mmol) zu halten.

Nein. Derzeit ist kein Medikament gegen Demenz in Sicht. Gerade erst ist der Hoffnungsträger Gantenerumab durchgefallen.

Sorge für eine gute Blutzuckereinstellung (HbA1c unter 6,5 % bzw. 48 mmol). Außerdem ist mehr Bewegung sehr wirksam gegen Depressionen. Häufiges Spazierengehen hilft bereits viel.

Bei Diabetes Typ 2 können vor allem viel zu hohe Blutzuckerwerte zu einem aggressiven Verhalten führen. Ähnliches gilt bei einer Insulintherapie für sehr niedrige Blutzuckerwerte.

Titelfoto von Gerd Altmann, Blaues Kätzchen von Vadim B., Memory-Foto von Ravensburger

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