Statt Parodontitis lieber schöne Zähne und gesundes Zahnfleisch auch bei Diabetes Typ 2

Parodontitis bei Diabetes Typ 2 Zahnfleisch entzündet, Zähne in Gefahr

Parodontitis bei Diabetes Typ 2 ist die größte Gefahr für deine Zahngesundheit. 75 Prozent aller Diabetiker leiden unter der Zahnfleischentzündung. Aber es gibt noch weitere Probleme mit der Mundgesundheit, die viele von uns Sweeties treffen. Ein trockener Mund, vor allem nachts, und Karies sind weitere Gefahren, die auf uns lauern.

In diesem Beitrag erfährst du, warum wir Diabetiker ganz besonders von diesen Problemen betroffen sind und was genau du dagegen tun kannst.

Die Ursache für Parodontitis, Mundtrockenheit und Karies bei Typ 2 Diabetes

Parodontitis und Karies haben die gleiche Ursache: Die Bakterienwelt in unserem Mund gerät langsam aber sicher außer Kontrolle. Angetrieben von einem erhöhten Blutzuckerspiegel feiern die Bakterien in unserem Mund eine Party nach der anderen, so wie manche Menschen nach dem Konsum von ein paar Dosen Energydrinks.

Wenn dein Langzeitzuckerwert (HbA1c) dauerhaft oberhalb von 6,5% bis 7,0% liegt musst du dich schon sehr anstrengen, wenn du diese Zahnkiller-Party stoppen willst. Deshalb ist es auch aus Sicht deiner Zahngesundheit wirklich lohnenswert, einen möglichst niedrigen Blutzuckerspiegel zu erreichen. Alles über deinen Langzeitzuckerwert und das richtige Blutzuckermessen kannst du in meinem E-Book nachlesen. Das kostet dich keinen Cent, den Newsletter gibt es gratis dazu.

Das Schlimme dabei ist, dass die Probleme im Mund nach und nach deinen ganzen Körper betreffen können. Denn haben sich die krankmachenden Bakterien erstmal über dein Zahnfleisch hergemacht kommen sie immer leichter in den Blutkreislauf.

Du erkennst das etwa daran, wenn beim Zähneputzen häufig eine Blutung am Zahnfleisch entsteht. So vergrößert sich die Gefahr für andere Organe, wie zum Beispiel dein Herz. Dabei sind nicht nur die Bakterien selbst ein Auslöser für andere Krankheiten.

Die Botenstoffe, die sie nutzen, sind ebenfalls eine Gefahr. Andersherum können Botenstoffe, die etwa durch starkes Übergewicht im Fettgewebe produziert werden, eine bakterielle Erkrankung im Mund verstärken. Etwas Ähnliches passiert beim Metabolischen Syndrom, an dem die für Diabetes Typ 2 verantwortliche Insulinresistenz ebenfalls stark beteiligt ist.

Der Zusammenhang zwischen einer Parodontitis und anderen Erkrankungen ist seit Jahren wissenschaftlich gut bewiesen. Einen ersten Einblick in die Studienlage bekommst du etwa hier bei Zahnmedizin up2date.

Schauen wir uns also gleich mal die Gefahrenstellen genauer an. Zunächst aber ist es wichtig zu wissen, wie der normale, gesunde Zahnapparat funktioniert und wie es mit der Mundflora bei Gesunden aussieht.

Mundflora bei gesunden Menschen

Auch bei einem gesunden Menschen befinden sich mehrere hundert Bakterienarten im Mund. So wie es eine gesunde Darmflora gibt, gibt es auch eine gesunde Mundflora. Bereits im Mund beginnt die Bearbeitung von dem, was wir an Essen und Getränken zu uns nehmen. Die Nahrung wird zerkleinert, mit Speichel und Bakterien angereichert und „nach unten“ befördert.

Im gesunden Zustand gibt es ein Gleichgewicht, das wir durch eine gute Mundhygiene unterstützen können. Dazu gehören zum Beispiel das regelmäßige Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume. Mehr über deine optimale 5-Minuten-Mundhygiene bei Diabetes Typ 2 erfährst du am Schluss dieses Beitrages.

Zucker zerstört das Gleichgewicht

Schädliche Bakterien im Mund lieben vor allem den energiereichen, sofort verfügbaren Zucker in unserer Ernährung. Dazu kommen noch  die sogenannten „einfachen Kohlenhydrate“, die schnell in Zucker aufgespaltet werden können. Einfache Kohlenhydrate sind zum Beispiel Produkte aus industriellem Weißmehl.

Nach und nach verändert sich der natürliche Bakterienfilm rund um deine Zähne. Es kommen immer mehr krankmachende Bakterien hinzu. Diese Bakterien produzieren Säuren, die dann unsere Zähne angreifen und sie von innen zerstören können. So entsteht Karies. Weil dieser Prozess sehr lange dauert, merken wir über lange Zeit nichts davon.

Gleichzeitig sorgen die Bakterien dafür, dass der natürliche Bakterienfilm sich immer weiter zum Schlechten verändert. Durch erste Entzündungen entstehen kleine Taschen im Zahnfleisch rund um deine Zähne. In diesen dunklen, warmen und feuchten Höhlen fühlen sich immer mehr Bakterien wohl.

Nach außen schotten sie sich immer besser ab, indem sie Gemeinschaften bilden und einen hartnäckigen Schutzfilm gegen Angriffe von außen erzeugen. In deinem Mund tobt eine Schlacht, von der du gar nichts mitbekommst. Und der Zucker in deiner Ernährung und in deinem Blut ist der Treibstoff, der diesen Kampf befeuert.

Auch aus diesem Grund habe ich Zucker fast vollständig durch gesündere Alternativen wie Zuckerersatzstoffe oder Süßstoffe ersetzt. Denn ganz auf Süßigkeiten möchte ich jedenfalls nicht verzichten.

Parodontitis

Parodontitis ist der Fachbegriff für eine Entzündung des Zahnfleisches. Manchmal wird das von Laien oder in der Werbung auch „Parodontose“ genannt.

Die Zahnärzte unterscheiden vier unterschiedliche Stadien. Das erste Stadium markiert den Beginn der Parodontitis. Beim vierten, schwersten Stadium ist das Zahnfleisch bereits an einigen Stellen verschwunden und Zähne verlieren ihren Halt, verändern ihre Stellung oder sind bereits ausgefallen.

Gerötetetes Zahnfleisch, Taschenbildung im zweiten Stadium einer Parodontitis
Gerötetetes Zahnfleisch, Taschenbildung im zweiten Stadium einer Parodontitis

Von Stadium 1 bis zu Stadium 4 bilden sich immer mehr und immer tiefere Taschen rund um die Zähne. Daraus können Bakterien mit unseren normalen Mitteln wie Zahnbürste oder Zahnseide kaum noch zu entfernt werden.

Endstadium einer Parodontitis freiliegende Zähne
Endstadium einer Parodontitis freiliegende Zähne

Neben einer guten eigenen Zahnpflege (siehe unten) solltest du mindestens einmal pro Jahr zu einer professionellen Zahnreinigung bei deiner Zahnärztin gehen. Dabei wird der hartnäckige Bakterienbelag entfernt. Das tut nicht weh, sondern fühlt sich richtig gut an, am Schluss die sauberen Zähne zu spüren.

Gleichzeitig ist es eine gute Kontrolle deines Zahnfleisches. Wenn etwas schief läuft, wird es rechtzeitig erkannt und du kannst schnell etwas dagegen unternehmen.

Eine gute Krankenversicherung übernimmt die Kosten dafür. Wenn du dazu Tipps haben willst, schick mir einfach eine Nachricht über den Kommentarbereich unten oder über das Kontaktformular. In meinem Büro arbeiten ein paar Experten, die sich richtig gut mit dem Thema „Versicherungen bei Diabetes“ auskennen.

Trockener Mund bei Diabetes Typ 2

In meinen Online-Kursen habe ich immer wieder Teilnehmerinnen, die am Beginn meiner Diabetes-Schulung darüber berichten, dass sie einen sehr trockenen Mund haben. Besonders nachts ist ein trockener Mund sehr unangenehm.

Zudem bedeutet ein trockener Mund, dass nicht genügend Speichel produziert wird. Der aber ist superwichtig, um das Gleichgewicht in deinem Mund herzustellen. Zuwenig Speichel ist immer eine Gefahr für dein Zahnfleisch.

Die Ursache für den trockenen Mund liegt häufig in einer schlechten Blutzuckereinstellung. Ein trockener Mund und Durstgefühle deuten darauf hin, dass der Körper den überschüssigen Zucker über die Nieren ausscheiden will. Dazu benötigt er viel Flüssigkeit, was den Durst auslöst.

Eine gute Blutzuckereinstellung ist deshalb von entscheidender Bedeutung für dich. Hier kannst du dir mein E-Book dazu holen. Es kostet dich keinen Cent.

Eine weitere Ursache kann in einer ketogenen Ernährung liegen. Dabei werden die Kohlenhydrate in der Nahrung auf wenige Gramm pro Tag reduziert. Wenn du also eine Keto-Diät machst (auch Atkins-Diät genannt), ist das eine Nebenwirkung davon.

Ich persönlich halte nichts von Diäten und ich kenne auch niemanden, der eine Keto-Ernährung lange durchgehalten hat. Es ist gesünder, deine Ernährung so zu gestalten, dass keine Mangelerscheinungen entstehen. Hier findest du mehr über eine leckere und gesündere Ernährung bei Diabetes Typ 2.

Karies

Die Bedeutung von Karies hat in den letzten Jahrzehnten durch eine bessere Zahnpflege und den Einsatz von fluoridierten Zahncremes deutlich abgenommen. Fluor schützt deine Zähne und hat keine Nebenwirkungen, weil es nur in ganz geringen Mengen gebraucht wird.

Karies entsteht ebenfalls durch Bakterien. Deren Säure zerstört den Zahnschutz und macht den Zahn von innen angreifbar. Durch eine gute Mundhygiene kannst du Karies heute gut verhindern.

Während deine Zähne geschützt werden, bleibt dein Zahnfleisch angreifbar. Wenn du keine Karies hast, bedeutet das nicht, dass keine Entzündung des Zahnfleisches vorhanden ist.

Was du generell für deine Mund- und Zahngesundheit bei Typ 2 Diabetes tun kannst

Das Allerwichtigste ist eine gute Blutzuckereinstellung. Wenn du deine Diabetes Typ 2 Diagnose erst in den letzten Jahren bekommen hast, ist eine Heilung möglich. Das hat die DiRECT-Studie sehr eindrucksvoll bewiesen.

Dein Langzeitzuckerwert (HbA1c) ist die Messlatte für deinen Therapieerfolg. Ein Wert von deutlich unter 6,5% ist das Ziel.

Wenn dein Arzt das nicht schafft, rede mit ihm über diesen Beitrag und wähle selbst deine Diabetes Typ 2-Therapie gemeinsam mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Das funktioniert am besten.

Für deine gute Blutzuckereinstellung achte auf leckeres, gesundes Essen und die richtigen Getränke bei Diabetes Typ 2. Damit verhinderst du die Bakterienparty in deinem Mund. Wenn die nämlich keinen Zucker mehr bekommen, geben sie es auf.

Die Fünf-Minuten-Mundhygiene bei Diabetes Typ 2

Nach meinem ersten Kaffee am Morgen putze ich mir die Zähne. Dazu benutze ich eine elektrische Zahnbürste und eine fluoridierte Zahncreme. Das dauert drei Minuten.

Danach benutze ich zwei unterschiedliche, kleine Bürstchen für die Zwischenräume der Zähne und am Schluss noch eine Mundspülung. Die kannst du auch weglassen, es genügt, nach dem Zähneputzen den Schaum ein paar Mal kräftig durch die Zähne zu jagen und nur auszuspucken. Nicht ausspülen, das hält den Schutz aufrecht.

Kostet mich fünf Minuten, die hervorragend investiert sind. Meine Zahnärzte können das bestätigen.

Am Abend, direkt bevor ich ins Bett gehe, wiederhole ich das Ganze noch einmal. Außerdem benutze ich nach jeder Mahlzeit zwei Zahnpflegekaugummis. Die sind zuckerfrei und sorgen für einen ordentlichen Speichelfluss. Macht nach dem Essen einen frischen Mund und hilft deiner gesunden Mundflora, den Kampf zu gewinnen.

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FAQ Parodontitis bei Diabetes Typ 2

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen der Parodontitis und den Blutzuckerwerten. Je größer die Zahnfleischentzündung, desto schwieriger ist eine gute Blutzuckereinstellung. Außerdem werden innere Organe zusätzlich belastet.

75 Prozent aller Diabetiker leiden an Parodontitis. Diabetiker sind also besonders von der Gefahr eines Verlustes von Zähnen betroffen.

Zunächst ist eine gute Mundhygiene sehr wichtig. Vor allem aber kommt es darauf an, eine gute Blutzuckereinstellung zu erreichen. Zucker in jeder Form belastet den Körper insgesamt und das Zahnfleisch besonders stark.


Titelfoto von Cottonbro Studios, Foto Parodontitis Stadium 2 von Anna Shvets, Foto Parodontitis Endstadium von Dr. med. dent. Jürgen Bauer

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