Nervenschäden bei Diabetes

Nervenschäden bei Diabetes – was du dagegen tun kannst

Nervenschäden bei Diabetes, von den Medizinern als „diabetische Polyneuropathie“ bezeichnet, sind gefürchtet. Sie treten dann auf, wenn ein Diabetes längere Zeit unerkannt bleibt oder über längere Zeit nicht wirklich gut behandelt wird. Die diabetische Polyneuropathie betrifft fast die Hälfte aller Diabetespatienten und ist eine der schlimmen Folgeerkrankungen durch einen schlecht eingestellten Diabetes.

Meine eigene Erfahrung war blutig

Da ich ja schon sehr lange Diabetespatient bin konnte ich an mir selbst erfahren, welche Folgen bereits beginnende Nervenschäden bei mir haben. Im letzten Jahr habe ich mir an einer scharfen Blechkante unten an meinem Computer einen Zeh am linken Fuß verletzt. Die Schmerzen beim Einschnitt habe ich gar nicht bemerkt. Erst als ich wieder zurück in mein Arbeitszimmer gelaufen bin habe ich die Blutspur gesehen, die die Wunde verursacht hat.

Aber fangen wir erstmal ganz vorne an, damit du genau erfährst, wie eine diabetische Polyneuropathie entsteht. Wenn du zum Thema Diabetes Typ 2 auf dem Laufenden bleiben möchtest, trag dich hier für meinen Newsletter ein.

Die Grundlagen: Wie entstehen Nervenschäden bei Diabetes?

Wenn dein Diabetes nicht gut eingestellt ist, also dein Langzeitzuckerwert (HbA1c) oberhalb von 7% liegt, belastet der hohe Zuckeranteil in deinem Blut deinen gesamten Stoffwechsel. Das geht bis runter auf die Ebene der Körperzellen, die zum Beispiel durch hyperaktive Botenstoffe empfindlich gestört werden können.

Zuerst sind deine kleinsten Blutgefäße betroffen, nach und nach dann auch größere. Deshalb ist es wichtig, jährlich zum Augenarzt zu gehen und vom Diabetologen deine Füße untersuchen zu lassen. Mehr dazu weiter unten. Der Augenarzt etwa kann nämlich die kleinsten Blutgefäße in deinen Augen sehen und beurteilen, ob und wie stark sie schon betroffen sind. Daraus kann man schließen, wie es insgesamt in deinem Körper um diese Gefäße steht.

Auch deine Nervenzellen werden durch einen dauerhaft hohen Blutzucker nach und nach geschädigt. So entstehen dann die Nervenschäden durch deinen Diabetes. Selbst die Alzheimer-Erkrankung steht oft mit einem schlecht eingestellten Diabetes in Verbindung.

Die Lebenserwartung sinkt durch eine diabetische Polyneuropathie weiter ab. Denn wenn du nicht gegensteuerst und deinen Langzeitzucker deutlich verbesserst, werden immer mehr Nerven geschädigt. Das betrifft dann irgendwann sogar die Nerven, die deine Organe steuern.

Was sind die Symptome einer diabetischen Polyneuropathie und von Nervenschäden bei Diabetes?

Die Symptome sind vielfältig, wie so oft bei dieser tückischen Erkrankung. In meinem Falle sind es zum Beispiel fehlende Schmerzempfindungen an den Füßen. Aber es kann auch ein Kribbeln an Händen und Füßen sein, das auf die diabetische Polyneuropathie zurückzuführen ist. In schlimmen Fällen sind die Nerven betroffen, die deine inneren Organe steuern. Das kann dein Herz betreffen, aber auch Organe wie die Lunge, den Magen oder den Darm.

Die Symptome, wie etwa Kribbeln oder ein wiederkehrendes Karpaltunnelsyndrom, können dabei helfen, einen Diabetes anhand dieser Symptome zu erkennen. Solltest du also solche Symptome haben, obwohl bei dir noch kein Diabetes diagnostiziert wurde, solltest du schnellstmöglich zum Arzt gehen und eine Blutuntersuchung veranlassen.

Einer der wirklichen Spezialisten auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Peter Mertens von der Universitätsmedizin in Magdeburg. Er sagt, dass die Zuckerkrankheit sogar völlig unbeteiligte Nerven aktivieren kann. Das kann sich dann zum Beispiel in einem „Ameisenkribbeln“ äußern. Aber auch Schmerzen ohne Auslöser, Ziehen und Krämpfe können die Folge der Nervenschäden sein. Häufig sind die Füße und die Unterschenkel zuerst betroffen. So treten etwa vermehrt Krämpfe in den Waden oder den kleinen Muskeln an den Füßen auf.

Besonders die von schmerzhaften Nervenschäden Betroffenen sind in ihrem täglichen Leben stark eingeschränkt. Sie haben deshalb zusätzlich auch noch häufiger als andere Diabetiker mit Depressionen zu kämpfen.

Muskuläre Schmerzen können ebenfalls durch Diabetes ausgelöst werden

Gerade hat ein Forscherteam an der Uniklinik in Mainz in einer neuen klinischen Untersuchung nachgewiesen, dass bei einem Viertel aller von schmerzhaften Nervenschäden betroffenen Diabetikern auch muskuläre Schmerzen entstehen können. Das betrifft die kleinsten Muskelfasern.

Es entstehen dann Verhärtungen, die bei Berührung oder Bewegung starke Muskelschmerzen auslösen. Patienten mit diesen Symptomen leiden unter besonders starken Schmerzen.

Die Mainzer Wissenschaftler um Dr. Christian Geber empfehlen deshalb, bei einer schmerzhaften Polyneuropathie auch muskuläre Ursachen der Schmerzen in Betracht zu ziehen. Die Studienergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht. Hier kommst du direkt zur Veröffentlichung in Diabetes Care, dort gibt es ein PDF mit allen Details.

Was du gegen Nervenschäden bei Diabetes und die diabetische Polyneuropathie unternehmen kannst

Das allerwichtigste Ziel ist es, deinen Diabetes richtig in den Griff zu bekommen. Solltest du deine Diabetes-Diagnose vor weniger als sechs Jahren bekommen haben, hast du eine gute Chance, deinen Diabetes sogar zu heilen.

Wenn du schon länger an Diabetes leidest, ist es eine gute Idee, alles daranzusetzen, deinen Langzeitzuckerwert unter 6,5% (HbA1c) zu bringen. Hier kannst du alles über deinen Langzeitzuckerwert erfahren. Mit einer guten Einstellung deines Diabetes kannst du nicht nur Nervenschäden verhindern, sondern das Risiko für alle Folgeerkrankungen drastisch reduzieren.

Ebenfalls sehr hilfreich ist es, gerade bei einer diabetischen Polyneuropathie, deine körperlichen Aktivitäten zu steigern. Wenn du mehr Bewegung in dein Leben bringst, bringt das deinen Stoffwechsel nach vorne. Damit reduzierst du ebenfalls die Gefahr von Folgeschäden. Zusätzlich verbessert körperliche Aktivität deinen Blutzuckerspiegel.

Schau dir mein 4-Säulen-Modell an, mit dem du deinen Diabetes in die Knie zwingen kannst. Das lohnt sich in jeder Hinsicht und beugt Nervenschäden und anderen Folgeerkrankungen von Diabetes vor.

Denn sind die Nerven oder die Muskelfasern bereits stark angegriffen können diese Schädigungen kaum rückgängig gemacht werden. Zwar können Physiotherapien das Leiden vermindern. Und Medikamente können bei schmerzhaften Nervenschäden ebenfalls nur lindern, aber nicht heilen.

Vitaminmangel kann zusätzliche Ursache für Nervenschäden sein

Gerade bei Diabetes kann es neben dauerhaft hohen Zuckerwerten noch eine weitere Ursache für Symptome von Nervenschäden geben. Diese Ursache liegt in einem Vitaminmangel.

Besonders wenn du Metformin oder einen Magensäureblocker einnimmst, kannst du stark betroffen sein. Denn Metformin ist ein sogenannter „Vitaminräuber“. Hier steht alles Wichtige über Vitamine bei Diabetes.

Solltest du also beginnende Symptome einer diabetischen Polyneuropathie bei dir feststellen, ist es eine gute Idee, deine Vitaminversorgung zu prüfen. Das kannst du beim nächsten Arztbesuch ansprechen.

Frühzeitige Diagnose ist sehr wichtig

Wo wir schon beim Thema Arztbesuch sind: Du solltest in jedem Falle die Möglichkeiten nutzen, jährlich deine Füße beim Diabetologen und deine Augen bei einem entsprechend geschulten Augenarzt untersuchen zu lassen. Dadurch kannst du herausfinden, ob du bereits Schäden an den kleinsten Blutgefäßen hast und wie stark diese sind. Das hilft dir dabei, einzuschätzen, ob eventuelle Symptome, die du bereits an dir selbst festgestellt hast, wirklich auf Nervenschädigungen zurückzuführen sind.

Fußuntersuchung beim Diabetologen

Die Fußuntersuchung beim Diabetologen ist völlig schmerzfrei, sie kann unter anderem durch die Verwendung von Stimmgabeln gemacht werden. Dabei werden durch die Stimmgabeln Vibrationen erzeugt, die du mehr oder weniger gut spüren kannst. Außerdem werden deine Füße auf Wunden oder Hornhautrisse kontrolliert.

Hier kann der Diabetologe dir auch eine medizinische Fußpflege auf Rezept verordnen. Aufpassen: Das Rezept ist nur zwei Wochen gültig, du solltest also erst einen Fußpflegetermin machen und dann das Rezept holen.

Augen regelmäßig untersuchen lassen

Der Termin beim Augenarzt ist ein wenig unangenehmer, aber ebenfalls völlig schmerzfrei. Du bekommst in der Praxis erst ein paar Augentropfen verabreicht. Dadurch wird das Auge sozusagen „weitgestellt“. Das dauert etwa 30-45 Minuten.

Erst dann kann der Arzt mit einem leuchtenden Vergrößerungsglas deine Blutgefäße im Auge betrachten. Schäden durch Diabetes oder Bluthochdruck werden so frühzeitig erkannt. Neben den Nervenschäden können auch schwere Augenerkrankungen durch Diabetes ausgelöst werden.

Spielerische Diagnose an der Uniklinik Magdeburg

Im letzten Jahr hat eine Arbeitsgruppe um den oben bereits erwähnten Prof. Mertens an der Uniklinik Magdeburg die Arbeit an der weiteren Erforschung des Themas Nervenschäden bei Diabetes begonnen. Es wird dort ein ganz neuartiger Ansatz verfolgt.

Zunächst hat die Gruppe ein Register für „Diabetes und Nerven“ aufgebaut. Dort sind bereits mehr als 1100 Betroffene aufgenommen worden. Das Ziel ist es, Nervenschäden mit einem neuen, spielerischen Ansatz sehr früh zu ermitteln. Dabei werden Schuhe mit speziellen Einlegesohlen verwendet. Die Sohlen enthalten Drucksensoren. Sie messen dann bei einem Bewegungsspiel die Nervenfunktionen. Die vollständige Meldung dazu findest du hier.

Diabetische Polyneuropathie fängt oft mit einem Beinkribbeln an
Diabetische Polyneuropathie fängt oft mit einem Beinkribbeln an

Schmerzen und Symptome einer diabetischen Polyneuropathie durch medizinisches Cannabis lindern

Algea Care, eine nach eigenen Angaben in Deutschland führende Plattform für die telemedizinisch unterstützte ärztliche Behandlung mit medizinischem Cannabis, berichtete jüngst von Erfolgen in der Behandlung von Symptomen einer diabetischen Polyneuropathie. Seit 2017 ist die medizinische Therapie mit Cannabis auch in Deutschland zugelassen.

In dem von Algea Care berichteten Fall ging es um eine 60-jährige Diabetes-Patientin, die unter den Folgen einer diabetischen Polyneuropathie leidet. Trotz einer langen Liste an täglich einzunehmenden Medikamenten galt sie seit 2012 als „austherapiert“. Alle angewendeten Behandlungsversuche ihrer Polyneuropathie haben bei ihr nicht wirklich angeschlagen.

Stechende und brennende Schmerzen in den Füßen konnten nicht gelindert werden. Eine ihrer unangenehmsten Beschwerden: Nachts kann sie selten mehr als zwei bis drei Stunden am Stück schlafen. Die Nervenschmerzen in den Füßen treten nämlich vor allem im Ruhezustand stärker auf. Deshalb muss sie in jeder Nacht mehrfach aufstehen und sich bewegen, um die Schmerzen zu lindern.

Letztlich konnte ihr durch eine Behandlung mit medizinischem Cannabis geholfen werden. Dabei hat sie das Medikament durch einen Verdampfer inhaliert. In der Folge gingen die Schmerzempfindungen deutlich zurück und sie konnte endlich wieder durchschlafen.

Aus den USA sind inzwischen mehrere Studien bekannt, die die Wirkung von medizinischem Cannabis bei einer Reihe von Erkrankungen nachgewiesen haben. Eine Studie aus dem Jahr 2015 beschäftigte sich ausführlich mit den positiven Effekten einer Cannabis-Therapie bei Schmerzen aufgrund einer diabetischen Polyneuropathie. Sie wurde im „Journal of Pain“ veröffentlicht, du kannst sie hier nachlesen.

Spezialisierte Ärzte, die sich mit der Cannabis-Therapie beschäftigen und dir weiterhelfen können, findest du auf der Seite von Algea Care.

FAQ zu Nervenschäden bei Diabetes

Die diabetische Polyneuropathie ist eine durch unerkannten oder schlecht eingestellten Diabetes ausgelöste Erkrankung des Nervensystems. Die Nervenzellen sind durch den dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegel geschädigt. Es entstehen Nervenschäden, die sich durch Schmerzen, Kribbeln oder Missempfindungen an deinen Händen und Armen bzw. Füßen und Beinen äußern können. Im weiteren Verlauf kann dies zu Fehlsteuerungen deiner Organe führen.

Einmal geschädigte Nervenzellen sind meistens nicht mehr zu reparieren. Deshalb ist es so wichtig, eine gute Einstellung deines Diabetes zu erreichen. Damit kannst du vorbeugen. Dein Langzeitzuckerwert sollte am besten unter 6.5% HbA1c liegen. Wie du das beim Diabetes Typ 2 erreichen kannst, kannst du hier nachlesen.

Eine diabetische Polyneuropathie ist nicht heilbar. Einmal geschädigte Nervenzellen sind in der Regel verloren. Allerdings kannst du eine Verschlimmerung deiner Nervenschäden noch verhindern. Dazu musst du eine wirklich gute Einstellung deines Diabetes erreichen.


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