Ist Kokosblütenzucker für Diabetiker geeignet

Kokosblütenzucker für Diabetiker geeignet?

Kokosblütenzucker für Diabetiker taucht immer wieder mal als vermeintlicher Geheimtipp in den einschlägigen Abnehmwebsites auf. Angeblich soll Kokosblütenzucker gesünder sein als normaler Haushaltszucker (auch als Kristallzucker oder Saccharose bekannt).

Dies wird damit begründet, dass er nur verzögert über den Darm ins Blut gehen soll. Deshalb würde der Blutzuckerspiegel entsprechend langsamer ansteigen.

Schauen wir uns mal an, ob das stimmt. Und ob Kokosblütenzucker, der manchmal auch einfach nur Kokoszucker genannt wird, wirklich eine Alternative ist für Menschen wie mich, die an Diabetes leiden.

Was ist Kokosblütenzucker

Zunächst mal muss man genau hinschauen, ob das, was da in der Packung steckt, auch tatsächlich aus Kokosblüten gewonnener Zucker ist. Auf einigen Verpackungen ist zwar eine schöne halbierte Kokosnuss zu sehen. Der darin verpackte Zucker war allerdings in der Zutatenliste in den gewohnt klein gedruckten Buchstaben als Palmzucker ausgewiesen.

Kokosblütenzucker ist eine Palmzuckerart

Denn der Kokosblütenzucker gehört zu den Palmzuckerarten. Diese können aus verschiedenen Palmenarten gewonnen werden. Kokospalmen sind nur eine dieser Palmenarten. Andere Arten, aus denen häufig Palmzucker gewonnen wird, sind die Zuckerpalme oder die Nipapalme.

Aber natürlich ist die Kokospalme mit ihrem exotischen Image die viel schönere Werbegeschichte. Palmzucker erinnert einfach zu stark an das zu Recht kritisierte Palmöl. Plantagen von Palmen sind eine problematische Monokultur, denen häufig ökologisch wertvolle Lebensräume zum Opfer fallen.

Kokosblütenzucker schmeckt übrigens überhaupt nicht nach Kokos. Er hat aufgrund seiner Herstellung wie alle Palmzuckerarten einen leicht karamelligen Geschmack.

Wie Kokosblütenzucker hergestellt wird

Der echte Kokosblütenzucker wird in zwei wesentlichen Schritten hergestellt. Zunächst wird der Blütensaft der Kokospalmblüten aufgefangen. Dazu werden die großen Blüten oft aufwändig gebunden und vorbereitet und anschließend frisch angeschnitten. Eine Kokosblüte kann deutlich größer als ein Meter werden (Foto). Entsprechend liefern diese nach dem Anschnitt bis zu zwei Liter Blütensaft. Der austretende Saft wird direkt in Gefäße geleitet. Damit können rund 400 Gramm Zucker hergestellt werden.

Eine Kokospalmenblüte kann richtig groß werden

Nach dem Auffangen des Blütensaftes muss es schnell gehen. Denn frischer Kokosblütensaft fängt bei tropischen Temperaturen sehr schnell an zu gären und kann dann nicht mehr zu Zucker verarbeitet werden. Gärender Palmblütensaft kann aber höchstens noch zu Palmwein oder Palmessig weiterverarbeitet werden.

Der gewonnene Saft wird also möglichst schnell gefiltert und anschließend zu einem dickflüssigen Sirup eingekocht. Dieser Sirup wird dann so lange weiter erhitzt, bis die Masse kristallisiert. Noch im heißen Zustand wird der Zucker in flachere Behälter gefüllt, um darin zu erkalten.

Woher kommt der Kokosblütenzucker?

Kokosblütenzucker und auch Palmzucker werden traditionell vorwiegend in Südostasien hergestellt, aber auch in anderen tropischen Regionen, wie etwa der Karibik. Viele Rezepte aus diesen Regionen führen Palmzucker als Zutat auf.

Wer aber an seinen CO-2 Fußabdruck denkt kann sowohl Palmzucker als auch Kokosblütenzucker durch karamellisierten (braunen) Zucker ersetzen. Besser ist es jedoch, ganz auf Zucker zu verzichten. Dazu gehört auch der Einsatz von Palmzucker oder Kokosblütenzucker.

Ist Kokosblütenzucker für Diabetiker geeignet?

Kokosblütenzucker ist genauso wenig für Diabetiker geeignet wie alle anderen Zuckerarten. Leider ist der Kokosblütenzucker also kein Geheimtipp für uns Diabetiker. Es gibt zudem keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass Kokosblütenzucker den Blutzuckerspiegel weniger stark erhöht. Ich habe keine Studie gefunden, die sich damit beschäftigt hätte. Es gibt ebenfalls kaum Unterschiede in der Schnelligkeit, mit der Kokosblütenzucker den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt.

Also habe ich es einfach selbst ausprobiert und mit meinem Dexcom G6 Sensor sowohl die Wirkung von Kristallzucker (Haushaltszucker oder Saccharose) als auch der gleichen Menge Kokosblütenzucker gemessen. Im Ergebnis waren die Kurven bei beiden Varianten ziemlich gleich. Da mein Sensor meine Zuckerwerte jede Minute messen kann sieht man genau, wann der Blutzucker steigt, wie hoch er steigt und wie lange er hoch bleibt. Mehr über Blutzuckermessung findest du übrigens hier in meinem E-Book. Kostet dich keinen Cent.

Wenn du Zucker zu dir nimmst, ist es egal, in welcher Form du das machst. Das Ergebnis ist immer ein schnell steigender, sehr hoher Blutzuckerspiegel, der lange hoch bleibt. Das ist also Gift für Diabetiker und Menschen mit Prädiabetes.

Selbst für gesunde Menschen ist Zucker keineswegs harmlos. Denn zu viel Zucker, auch Kokosblütenzucker, führt über kurz oder lang oft zu schweren Krankheiten. Wir Menschen mit Diabetes kennen das Spiel schon. Da hilft nur aussteigen und Zucker konsequent zu ersetzen. Wie das geht, sage ich dir weiter unten noch.

Nährwerte von Kokosblütenzucker

Die Nährwerte von Palmzucker oder Kokosblütenzucker sind fast identisch mit denen von normalem Kristallzucker/Haushaltszucker. Er enthält 400 Kalorien pro 100 Gramm, das ist identisch mit dem Wert von Haushaltszucker. Es sind weder Ballaststoffe noch Fett oder Eiweiß enthalten. Und auch die Mikronährstoffe sucht man in allen Zuckerarten vergeblich. Ein hoher Konsum von Zucker führt, wenn man nicht gerade sehr viel Sport macht, schnell zu Fettpolstern. Und die sind ebenfalls nicht gut für deinen Körper.

Wie kann ich Kokosblütenzucker in Rezepten ersetzen

Wie ich oben schon geschrieben habe, ist Palmzucker Bestandteil vieler Rezepte aus der asiatischen oder karibischen Küche. Besonders in Thai-Rezepten wird häufig Palmzucker eingesetzt. Viele Gerichte haben einen Dreiklang aus süß, sauer und scharf.

Allerdings ist die thailändische Küche mit ihrem Mix aus sehr viel kurz und schonend gegartem, oft gebratenem Gemüse und Proteinen wie etwa Hühnchen, Garnelen, Fisch oder Rind- und Schweinefleisch ausgesprochen gesund. Und eine gesunde Ernährung mit sehr viel Gemüse und Protein ist ein wichtiger Bestandteil einer guten und vor allem gut schmeckenden Ernährung bei Diabetes.

Den obligatorischen Reis kann ich als Diabetiker prima durch mehr Gemüse reduzieren. Ich selbst koche gerne eine Reihe thailändischer Gerichte.

Die süße Komponente in diesen Gerichten, die im Originalrezept aus Palmzucker besteht, ersetze ich bei mir immer durch einige Tropfen flüssigen Süßstoff. Denn wichtig ist nicht der karamellige Geschmack von Palmzucker, sondern die Geschmackskomponente „süß“. Und die liefert der flüssige Süßstoff ganz nach deinem Geschmack. Einfach mal ausprobieren. Alles, was es über Süßstoffe zu sagen gibt, findest du hier in meinem Blogbeitrag zum Thema Süßstoff und Diabetes. Da gibt’s übrigens auch mein Lieblings-Dessert-Rezept.

Diabetes Typ 2 heilen

Wenn du an Diabetes Typ 2 leidest, gibt es eine gute Chance, dass du diesen heilen kannst. Ein guter Start ist mein 4-Säulen-Modell.

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Titelfoto von Alexander Mils, Foto von Palmblüte von Pavel Danilyuk

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