Diabetes Typ 2 Behandlung Lasst die Patienten entscheiden

Diabetes Typ 2 Behandlung: Lasst die Patienten selbst über ihre beste Therapie entscheiden! Das sagt eine neue Studie.

Es gibt inzwischen reichlich Behandlungsmöglichkeiten, die Ärzten für die laufende Behandlung eines Diabetes Mellitus Typ 2 zur Verfügung stehen. Der Königsweg, jedenfalls für mich, wäre es, die Patienten optimal bei der Heilung ihres Diabetes Typ 2 zu unterstützen, anstatt nur ein Rezept für blutzuckersenkende Medikamente zu schreiben.

Eigentlich ist das in Deutschland mittlerweile auch in den „Leitlinien“ für die Diabetes Typ 2 Therapie so vorgesehen. Leider passiert das noch viel zu selten.

Ist eigentlich aber keine Überraschung. Denn die Ärzte, die Arztpraxen, sind nicht darauf eingerichtet, Diabetes-Patienten intensiv zu begeleiten und zu betreuen. Sie bekommen es auch gar nicht bezahlt. Dazu gleich mehr.

Heilung oder lebenslang?

Es ist immer noch viel zu wenig bekannt, dass ein Diabetes Typ 2 heilbar ist. Wenn also deine erste Diagnose nicht schon viele, viele Jahre zurückliegt, ist das etwas, was du unbedingt mal ausführlich mit deinen Ärzten besprechen solltest.

Denn die Alternativen sind nicht besonders verlockend. Entweder musst du ein Leben lang Tabletten nehmen (vielleicht sogar Medikamente selbst spritzen) oder du wirst ein frühes Opfer der schlimmen Folgeerkrankungen.

Natürlich ist die Heilung von Diabetes Typ 2 nicht unbedingt im Interesse der Industrie. Denn die Kasse klingelt ja viel öfter, wenn ein Patient „lebenslänglich“ dazu verurteilt ist, Medikamente zu nehmen.

Und es ist auch völlig klar, dass die Ärzte bei weitem nicht genug Geld bekommen, um die notwendige, intensive Unterstützung und Begleitung bei dem erforderlichen Veränderungsprozess zu geben.

Trotzdem ist es deine Entscheidung. Und wenn du es wirklich willst, kannst du deine Heilung von Diabetes Typ 2 selbst in die Hand nehmen.

Diabetes-Patienten selbst über Therapie entscheiden lassen

Schwierig wird es, wenn die komplette Heilung aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung nicht mehr möglich ist. Denn dann muss entschieden werden, mit welcher dauerhaften Behandlung der Patient am besten fährt.

Bislang wird diese Entscheidung meistens alleine vom behandelnden Arzt getroffen. Häufig werden dann die Medikamente verordnet, die der Arzt am besten kennt oder denen er schon lange vertraut.

Aber gerade bei Diabetes Typ 2 ist es so, dass Patient nicht gleich Patient ist. Was dem einen gut hilft, erzeugt beim anderen Brechreiz Ja, im wahrsten Sinne des Wortes.

Nicht jede Tablette ist für jeden Patienten gut

Diabetes Typ 2 Behandlung Es gibt viele blutzuckersenkende Tabletten
Diabetes Typ 2 Behandlung Es gibt viele blutzuckersenkende Tabletten

In meinen Online-Diabeteskursen treffe ich sehr häufig Patientinnen und Patienten, die mit der ärztlichen Entscheidung für ihre Behandlung nicht glücklich sind. Die Ursache sind meistens heftige Nebenwirkungen der vom Arzt verschriebenen Medikamente.

Das geht von schweren Magen-Darm-Problemen bis hin zu Unverträglichkeiten mit bestimmten Inhaltsstoffen. Manche hadern außerdem damit, dass die erhoffte dauerhafte Blutzuckersenkung nicht wie erwartet ausfällt. Dabei entscheidet dein Langzeitzuckerwert darüber, ob du ein früher Pflegefall wirst oder eben nicht.

Dazu ist es natürlich wichtig, dass du alles über deine Blutzuckerwerte weißt. Wenn du dir unsicher bist, kannst du dir hier mein E-Book zum Thema „Blutzucker messen und verstehen“ holen. Es kostet dich keinen Cent und meinen Newsletter gibt’s ebenfalls dazu.

Die Lösung für das Dilemma: Lasst die Patienten wählen, sagen Wissenschaftler

All diese Probleme haben Forscher der englischen Universität Exeter zu einer neuen Studie veranlasst. Damit sollte wissenschaftlich untersucht werden, was passiert, wenn die Patienten die Wahl ihres Diabetes-Medikamentes selbst treffen können.

Dabei arbeiteten sie unter anderem mit den Universitäten Oxford, Glasgow und Dundee sowie 24 Kliniken aus Großbritannien zusammen. Die Ergebnisse wurden am 7. Dezember 2022 im renommierten Wissenschaftsjournal „nature medicine“ veröffentlicht. Hier ist der direkte Link zur Veröffentlichung (in englisch) in „nature medicine“.

Wie die Wissenschaftler vorgegangen sind

Zunächst wurden drei verschiedene, häufig eingesetzte Medikamente aus der Diabetestherapie ausgewählt. Die drei Tabletten sind sogenannte „orale Antidiabetika“ und kommen aus drei verschiedenen Wirkstoffgruppen. Es handelt sich also tatsächlich um drei völlig unterschiedliche Medikamente bzw. Behandlungsansätze.

Ausgewählt wurden die Wirkstoffe Pioglitazon (Handelsname z.B. Actos®), Canagliflozin (Handelsname z.B. Invokana ®) und Sitagliptin (Handelsname z.B. Januvia®).

Pro Medikament vier Monate Testzeitraum

Die insgesamt rund 450 ausgewählten Patienten erhielten für jeweils vier Monate jeweils eines der drei genannten Medikamente. Der Testzeitraum umfasste also insgesamt ein Jahr. Die Teilnehmer wurden während des gesamten Zeitraumes umfassend überwacht. Dabei wurden sowohl der Blutzucker als auch das Körpergewicht regelmäßig gemessen. Ebenso wurden alle Nebenwirkungen detailliert aufgezeichnet.

Entscheidung der Patienten nach einem Jahr

Nach Ablauf der einjährigen „Probephase“ konnten die Patienten selbst entscheiden, welches der drei Medikamente sie dauerhaft einnehmen wollten. Dabei trafen sie ihre Wahl, ohne das Studienergebnis zu kennen.

Das Resultat der Studie war eindeutig. Die Patienten entschieden sich weit überwiegend für das Medikament, was ihnen persönlich während des viermonatigen Testzeitraumes am meisten geholfen hat und zusagte.

Klares Ergebnis: Die Patientenwahl führte zum besten Behandlungserfolg

Die persönliche Entscheidung aufgrund der gemachten Erfahrungen mit den jeweiligen Medikamenten stellte sich dabei gleichzeitig als die wirksamste Therapie für den betroffenen Patienten heraus. Die Patienten entschieden sich also durch ihre eigenen Erfahrungen selbst für das Medikament, das ihnen persönlich am meisten hilft und gleichzeitig auch am verträglichsten für sie war.

Die Wissenschaftler wiesen in der Studie nach, dass die persönliche Entscheidung dazu führte, dass der Langzeitzuckerwert deutlich besser war. Außerdem waren die Nebenwirkungen des jeweiligen persönlichen Favoriten am geringsten.

Wissenschaftler sehr überrascht über die Einzigartigkeit der Studie

Der Studienleiter, Prof. Andrew Hattersley von der Universität Exeter erklärte, dass sein Team und er sehr überrascht gewesen waren, dass vorher noch kein Wissenschaftler auf die Idee gekommen war, die Patienten selbst wählen zu lassen.

In einer Pressemitteilung, veröffentlicht ebenfalls am 07.12.2022 in EurekAlert, sagte Professor Hattersley: „Wir haben gezeigt, dass die Wahl der Patienten zu einer besseren Blutzuckereinstellung und weniger Nebenwirkungen führt als jeder andere Ansatz. Wenn nicht klar ist, welches Medikament am besten geeignet ist, sollten die Patienten es erst ausprobieren, bevor sie sich entscheiden. Überraschenderweise wurde dieser Ansatz noch nie ausprobiert.“

Kommentar eines Studienteilnehmers

Einer der Studienteilnehmer war Tim Keehner aus North Devon an der englischen Westküste. Bei ihm wurde vor 15 Jahren ein Diabetes Typ 2 diagnostiziert. Er nahm an der Studie teil, weil er mit seinen Blutzuckerwerten unzufrieden war.

Zu seinen persönlichen Erfahrungen während der Studie sagte er „Mir wurden drei Medikamente verschrieben. Die ersten beiden haben bei mir überhaupt nicht gewirkt, bei einem fühlte ich mich sogar noch schlechter. Glücklicherweise fühlte ich mich vom ersten Moment der Einnahme des dritten Medikaments an anders – ich hatte mehr Energie und ich wusste, dass es das richtige Medikament für mich war.“

Was das für deine Behandlung bedeutet

Wenn du mit deiner bisherigen Behandlung nicht wirklich gut klar kommst, solltest du aktiv werden. Denn mit den Ergebnissen der Studie aus Großbritannien hast du einen wirklich guten Ansatz für dein nächstes Arztgespräch.

Meinen Kursteilnehmern empfehle ich immer, sich intensiv mit ihrer Therapie zu beschäftigen. Wenn deine Blutzuckerwerte nicht wirklich gut sind oder du heftige Nebenwirkungen hast, solltest du immer das Gespräch mit deinem Arzt suchen.

Die Studie ist ein wirklich lohnenswerter Ansatz, mal die Therapie zu wechseln.

Wenn dein Arzt dir nicht zuhört, wechsle den Arzt. Denn es ist schließlich dein Leben, was von einer guten und wirksamen Behandlung abhängt. Gib dich nicht zufrieden, wenn deine Werte nicht gut sind. Du verdienst es, die beste Therapie für dich zu bekommen. Wenn du immer auf dem Laufenden bleiben willst, hol dir hier meinen Newsletter. Kostet dich keinen Cent, hilft aber viel.

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FAQ Diabetes Typ 2 Behandlung Patienten entscheiden selbst über beste Therapie

Mit der Studie wurde wissenschaftlich einwandfrei bewiesen, dass die persönliche Erfahrung eines Patienten mit einer bestimmten Therapie zu einem insgesamt besseren Behandlungsergebnis führen kann. Darüber solltest du mit deinem Arzt sprechen, wenn deine Behandlung nicht so verläuft, wie es gut für dich ist.

Jede Behandlung wurde über vier Monate getestet und genau kontrolliert. Da insgesamt drei völlig unterschiedliche Wirkstoffe getestet wurden, dauerte der gesamte Test ein Jahr. Wenn du bedenkst, dass du noch sehr lange mit deiner Behandlung leben musst, ist das eine kurze Zeit.

Die vier Monate pro unterschiedlicher Behandlung haben sich in der Studie bewährt. Du solltest also nicht länger als vier Monate probieren, wenn eine Behandlung dir nicht hilft. Das solltest du natürlich offen mit deinem Arzt besprechen.

Titelfoto von Lilartsy, Symbolfoto „Tabletten“ von Michi Wangard (mit Stable Diffusion)

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