Diabetes Juckreiz - Kratzen verboten!

Diabetes Juckreiz und Hautprobleme können schlimme Folgen haben

Juckreiz bei Diabetes und die damit verbundenen Hautprobleme gehören zu den besonders unangenehmen Folgen einer schlechten Blutzuckereinstellung. Hier erfährst du, worum es dabei geht, welche Hautprobleme es gibt und was du dagegen tun kannst.

Kratzen jedenfalls verlängert und verschlimmert das Leiden nur. Statt einem Kragen, wie das Kätzchen im Titelbild, müsstest du dir dann Handschellen anlegen.

Oder du liest hier, was die Ursachen sind und was dir ganz konkret helfen kann.

Unsere Haut ist lebenswichtig

Unsere Haut ist das größte Organ unseres Körpers. Sie ist die größte Fläche für Sinneswahrnehmungen und erfüllt viele lebenswichtige Zwecke.

Dazu gehören zum Beispiel die Wärmeregulation, Stoffwechselfunktionen und die allererste Immunantwort. Ohne unsere schützende Hülle können wir nicht überleben. Alle Details über die wichtigen Funktionen unserer Schutzhülle kannst du hier in der Wikipedia nachlesen.

Diabetes kann die Haut stark belasten und schwächen

Gerade bei uns Diabetikern ist unsere Haut jedoch stark belastet. Das betrifft in besonderem Maße diejenigen von uns Sweeties, deren Diabetes weniger gut eingestellt ist.

Dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte mit HbA1c-Werten oberhalb von 7,0 % (53 mmol/mol) sind problematisch und führen sehr oft zu schweren Folgen, nicht nur für die Haut.

An der Haut kann man die Probleme aber gut erkennen. Anders als bei anderen Folgeerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt machen sich Hautprobleme zum Beispiel durch Juckreiz früh bemerkbar.

Oft führen Hautveränderungen sogar dazu, dass ein Diabetes erstmalig erkannt wird.

Wie die Hautprobleme bei Diabetes entstehen

Aber wie entstehen eigentlich Hautprobleme, die durch Diabetes verursacht werden? Die dauerhaft hohen Blutzuckerwerte führen zu Schädigungen der Nervenenden und der kleinen Blutgefäße.

Die Schädigungen der Nerven können Juckreiz auslösen. Außerdem werden kleine Hautdefekte nicht mehr richtig wahrgenommen. Aus kleinen Stellen entstehen dann leicht große Schäden. Besonders an unzugänglichen Stellen werden diese dann nicht früh genug bemerkt.

Neben der Schädigung der Nerven werden die Talg- und Schweißdrüsen durch hohe Zuckerwerte nicht mehr richtig versorgt, was die Haut ebenfalls stark gefährdet. Denn der Schutzfilm auf der Haut ist eine erste, wichtige Barriere.

Hohe Blutzuckerwerte bedeuten also nichts Gutes für deine Haut. Besonders häufig sind die weiter unten beschriebenen Hautprobleme.

Sie betreffen rund 40 % aller Diabetiker dauerhaft. Noch mehr von uns sind nur gelegentlich betroffen. Jedes dieser Hautprobleme ist ein Zeichen dafür, dass deine Werte dauerhaft nicht besonders gut sind. Hier kannst du mehr über deinen Langzeitzuckerwert (HbA1c) erfahren.

Welche Hautprobleme sind bei Diabetes besonders häufig

In diesem Artikel beschäftige ich mich mit den häufigsten Erkrankungen der Haut, die in Verbindung zu Diabetes stehen. Am Anfang meiner eigenen Diabeteserkrankung habe ich einige davon selbst erlebt.

Deshalb habe ich mich intensiv damit beschäftigt und gebe dir hier einen Überblick über die wichtigsten Hautprobleme.

Dabei erläutere ich besonders unangenehme, stark juckende Erkrankungen, aber auch solche, die weder jucken noch stark schmerzen, aber dennoch gefährlich sind.

Nach dem Überblick geht’s dann an deine Behandlungsmöglichkeiten und darum, wie du das alles vermeiden kannst.

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Hautprobleme mit besonderem Juckreiz

Juckreiz im Intimbereich oder Genitalbereich

Der Juckreiz im Intimbereich entsteht meistens durch die Ansiedlung von Pilzen und/oder Bakterien in und an der Harnröhre. Pilze und Bakterien lieben hohe Blutzuckerwerte, sie wachsen und vermehren sich schnell durch die Energie, die ihnen der Zucker im Urin frei Haus anliefert.

Gleichzeitig ist der Juckreiz an den Genitalien besonders unangenehm. Das betrifft übrigens Männer und Frauen mit Diabetes gleichermaßen. Für Frauen ist es jedoch besonders heftig, weil natürlich häufig der Vaginalbereich betroffen ist. Dadurch ist die juckende Hautfläche größer und schwerer zugänglich.

Juckreiz an Unterschenkeln, Schienbein und Füßen

An den Unterschenkeln, besonders am Schienbein und den Füßen ist die Haut besonders dünn und empfindlich. Durch den hohen Blutzucker werden die kleinen Nerven in der Haut geschädigt.

Außerdem ist die Haut durch den Wasserverlust bei hohen Zuckerwerten und die Beeinträchtigung der Drüsen sehr trocken. Sowohl die Nervenschädigungen als auch die sehr trockene Haut führen zu starkem Juckreiz. Die Fachleute nennen das dann Pruritus diabeticorum.

An den Füßen ist die Gefahr einer dauerhaften Schädigung besonders hoch. Es droht der sogenannte diabetische Fuß, genauer das diabetische Fußsyndrom. Hier gibt es einen ausführlichen Beitrag um Thema „diabetischer Fuß“ und seine einzelnen Stadien, vom Frühstadium bis zum Endstadium, mit Fotos.

Der starke Juckreiz führt dazu, dass man sich häufig kratzt. Dadurch wird zwar der Juckreiz für ein paar Sekunden beseitigt.

Aber die Folgen sind noch viel schlimmer: Denn wenn man die Haut aufkratzt, entstehen blutende Wunden. Und die Wundheilung kann bei Diabetes ebenfalls gestört sein. Das führt dann oft zu größeren Komplikationen und einer langwierigen, teilweise schmerzhaften Behandlung.

Neben deinem Diabetes kann ein Mangel an Vitamin B12 ebenfalls zu Juckreiz und zu Neuropathien führen. In diesem Beitrag findest du mehr Informationen über Vitamine und Diabetes.

Juckreiz an Hals und Nacken

Juckreiz kann auch an empfindlichen Stellen an Hals, Nacken, Kopfhaut und Dekolleté auftreten. Die Ursache hierfür sind die oben schon erwähnten Schädigungen der Nervenenden durch einen hohen Blutzuckerspiegel.

Hautprobleme ohne typischen Juckreiz

Neben den stark juckenden Hautproblemen gibt es bei uns Diabetikern weitere problematische Hautveränderungen durch einen zu hohen Blutzuckerspiegel. Die folgenden Hautprobleme sind bei Diabetes besonders häufig anzutreffen.

Rötlich-bräunliche Bereiche an der Innenseite der Unterschenkel

Hier treten meist rundlich geformte Bereiche mit rötlichen bis bräunlichen Verfärbungen an der Innenseite der Unterschenkel auf. Hohe Blutzuckerwerte treffen ja nicht nur die Nervenbahnen, sondern besonders auch die kleinsten Blutgefäße. Diese sogenannten Mikroangiopathien sind typisch für einen fortgeschrittenen Diabetes. Eine genaue Erläuterung findest du hier in der Wikipedia.

Diese Schädigungen können dann unter anderem zu diesen farblichen Veränderungen am Unterschenkel führen. Die Fachleute nennen das dann Diabetische Dermopathie. Rund 10 % aller Diabetiker sind von diesen krankhaften Hautveränderungen betroffen.

Wachsartige Veränderung der Haut bei Diabetes Typ 2

Meistens beginnen diese wachsartigen Veränderungen der Haut an Nacken und Hals. Nach und nach werden dann immer weitere Körperbereiche betroffen.

Gesicht, Brustkorb, Arme und schließlich die Finger verändern sich deutlich und sichtbar. Meist wird es als sogenannte Orangenhaut wahrgenommen. Die Veränderungen sind chronisch und fortschreitend. Die Mediziner nennen das dann ein Diabetisches Sklerödem Typ Buschke.

Betroffen sind vor allem Männer mit Diabetes Typ 2. Je nach Dauer des Diabetes beginnen die Veränderungen bereits mit etwa 50 Jahren. Mit fortschreitender Erkrankung kommt es schließlich auch zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen im Bereich der Schulter und der Finger.

Schleimhautveränderungen im Mund und Parodontose

Wie oben schon beschrieben fördert ein schlecht eingestellter Diabetes, der sich bei Typ 2 Diabetes häufiger findet als bei Typ 1 Diabetikern, das Wachstum von Bakterien und Pilzen am und im Körper.

Dies ist auch die häufigste Ursache für krankhafte Veränderungen der Mundschleimhaut. Das können zum Beispiel weißliche Flecken oder Pusteln an der Mundschleimhaut sein.

Daneben tritt häufig auch eine Entzündung mit Rückgang des Zahnfleisches auf, die bei Diabetes relativ schwer zu behandeln ist. Parodontitis nennen die Fachleute das. Die Probleme, die durch Diabetes Typ 2 im Mund entstehen können, habe ich in diesem Beitrag über Parodontitis bei Diabetes Typ 2 genau beschrieben. Dort erfährst du auch, was du konkret dagegen tun kannst.

Wie Du Juckreiz und Hautprobleme bei Diabetes verhindern oder behandeln kannst

Das Wichtigste: Deine Blutzuckereinstellung

Eigentlich sind Juckreiz und Hautprobleme bei Diabetes, besonders bei Diabetes Typ 2, ein Warnschuss betreffend deine Blutzuckereinstellung. Denn sie treten erst auf, wenn dein Zuckerspiegel längere Zeit zu hoch ist oder du extreme Schwankungen hast. Die Kontrolle erfolgt am besten durch die Bestimmung deines Langzeitzuckerwertes (HbA1c) alle drei Monate. Welche HbA1c-Werte gut sind kannst du hier nachlesen.

Dein Langzeitzuckerwert sollte am besten deutlich unter 7,0% (53 mmol/mol) liegen. Wenn du deinen Diabetes Typ 2 erst seit wenigen Jahren hast, kannst du ihn wahrscheinlich sogar komplett heilen. Das ist die beste Möglichkeit, um alle Folgeschäden zu vermeiden.

Eine gute Blutzuckereinstellung ist also die wichtigste Grundlage, um Hautprobleme und Juckreiz sowie die anderen, noch viel schlimmeren Folgeschäden zu vermeiden.

Diabetes Juckreiz du hast nur eine Haut
Diabetes Juckreiz du hast nur eine Haut

Vorbeugung: Maßnahmen zur Verhinderung von Juckreiz und Hautproblemen bei Diabetes

Es gibt neben der Blutzuckereinstellung einige einfache Dinge, die du unternehmen kannst, um zumindest für lange Zeit das Auftreten der oben beschriebenen Probleme konsequent zu verhindern.

Das sind die folgenden Maßnahmen:

Viel trinken ist gerade bei Diabetes besonders wichtig

Ein guter Flüssigkeitshaushalt hilft der Haut, ihre Schutzwirkung zu behalten. Deshalb solltest du jeden Tag mindestens zwei Liter trinken. Ein gut mineralisiertes Wasser ist besonders gut. Hier erfährst du mehr über Getränke bei Diabetes.

Richtige Körperpflege bei Diabetes

Es ist eine gute Idee, deinen Körper richtig gut zu pflegen. Dein Körper ist so einmalig wie du und es gibt leider keinen zweiten für dich. Also behandle ihn gut. Dazu gehören die folgenden Punkte:

Diabetes Hautprobleme Gute Körperpflege hilft
Diabetes Hautprobleme Gute Körperpflege hilft

Geeignete Produkte zum Duschen oder Baden verwenden

Normale Seifen zerstören den Schutzschirm deiner Haut. Achte deshalb darauf, ph-neutrale Duschöle zum Duschen oder Baden zu verwenden. Je öfter du unter die Dusche springst, desto eher wird dein Schutzfilm auf der Haut zerstört. Die richtigen Duschöle oder Duschcremes können das mildern.

Duschen oder Baden: Kurz, nicht zu oft und nicht heiß

Lange in der heißen Badewanne liegen ist nicht klug. Versuche, die Temperatur beim Duschen oder Baden nicht zu heiß einzustellen, gut warm sollte ausreichen. Je kürzer und kälter, desto besser.

Richtig gründlich abtrocknen

Achte auf deine Füße, vor allem zwischen den Zehen. Das gleiche gilt für alle verdeckten Körperstellen, wie Genitalbereich, zwischen den Beinen, Kniekehlen oder Achselhöhlen.

Diese Bereiche solltest du konsequent trockenlegen. Die Haare und die Kopfhaut ebenso gründlich trocknen. Ein nicht zu warm eingestellter Fön hilft sehr.

Kleiner Tipp: Ein vorgewärmtes Badetuch tut gut, wenn man vorher etwas kälter geduscht hat. Das ist schön kuschelig und trocknet noch besser.

Gut eincremen, jeden Tag

Such dir eine schöne Bodylotion aus. Möglichst „wenig Chemie“ und „besonders hautfreundlich“ sind die Dinge, auf die du achten solltest.

Mach eine Gewohnheit draus, dich gründlich und täglich einzucremen. Vielleicht nimmst du den zweiten Kaffee im Bad, während du dich ein paar Minuten nur um deinen Körper kümmerst. Deine Haut und deine Zähne verdienen es wirklich, sie gut zu behandeln!

Wenn du alleine nicht mehr überall bequem hinkommst, frage deinen Partner oder deine Partnerin, ob sie/er helfen kann. Ist auch gut für eure Beziehung, wenn ihr euch öfter mal anfasst.

Wenn es trotzdem juckt, brennt oder sich die Haut verändert

Geh zu deinem Arzt oder Diabetologen, hol dir eine Überweisung zum Hautarzt bzw. Facharzt für Dermatologie. Warte nicht, bis es nicht mehr geht. Je schneller die Diagnose da ist, desto schneller ist das Problem gelöst.

In meinem Newsletter stelle ich gelegentlich gute Körperpflegeprodukte vor. Also melde dich an, dann kriegst du alle Tipps frei Haus. Kostet keinen einzigen Cent. Und ein E-Book zum Thema Blutzuckermessen gibts gratis dazu.


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FAQ zu Diabetes Juckreiz und Hautproblemen

Es gibt eine Grundursache für alle diabetischen Hautprobleme mit Juckreiz. Das ist ein schlecht eingestellter Blutzuckerwert. Der verursacht trockene Haut und Schäden an den Nervenenden und den kleinen Blutgefäßen. Dann juckt es, brennt es oder die Haut verändert sich.

Soforthilfe bekommst du durch geeignete Cremes oder Bodylotion. Langfristig musst du deinen HbA1c, also deinen Langzeitzuckerwert, gut einstellen. Kratzen dagegen macht es schlimmer.

Hier ist die Ursache häufig eine Pilzerkrankung oder ein Bakterienfilm. Hoher Blutzucker begünstigt Pilz- und Bakterienwachstum. Kurzfristig kannst du dir vom Facharzt Anti-Pilzcremes oder Antibiotikacreme verschreiben lassen, wenn die Ursache geklärt ist. Langfristig hilft dir nur eine gute Blutzuckereinstellung.

Hier ist meist eine Pilzerkrankung die Ursache, die durch einen hohen Blutzucker gefördert wird. Kurzfristig hilft ein Mittel gegen die Pilze. Langfristig muss dein Zuckerspiegel runter.

Titelfoto itchy skin problem chika watanabe Creative Commons 2.0, Foto „Haut“ von Karolina Grabowska, Foto „Handcreme“ von Linda Prebreza

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