Ein Transmitter für das Dexcom G6

Dexcom G6 System startet nicht wegen falscher Seriennummer auf der Verpackung

Dexcom G6- Sensoren habe ich erst vor wenigen Wochen ausgiebig gegen die Freestyle Libre Systeme getestet. Dabei haben mich die Sensoren von Dexcom überzeugt. Sie haben sich in meinem Test als deutlich zuverlässiger erwiesen.

Heute aber bin ich, eher unfreiwillig, auf ein schwerwiegendes Problem beim Dexcom G6 gestoßen. Aber der Reihe nach:

Das Dexcom G6 ist meine Lebensversicherung

Das G6-System nutze ich ja inzwischen selbst, um damit dauerhaft meine aktuellen Blutzuckerwerte zu kontrollieren. Mit diesem CGM-System zur kontinuierlichen Blutzuckermessung kann ich meine Werte direkt auf meiner Apple Watch am Handgelenk ablesen.

Der Sensor liefert ständig im Minutentakt die gerade eben gemessenen Zuckerwerte an meine verbundenen Geräte (in meinem Falle das iPhone und die Watch). Egal, ob ich schlafe oder aktiv bin, ich verlasse mich darauf.

Die Sensoren trage ich jeweils für zehn Tage am Oberarm oder am Bauch.

Dexcom G6 am Oberarm, Transmitter eingesetzt
Dexcom G6 am Oberarm, Transmitter eingesetzt

Für mich ist das lebenswichtig. Denn eine schwere Unterzuckerung kann, genauso wie ein gefährlich hoher Blutzuckerspiegel, schnell lebensbedrohlich werden. Und nachdem ich schon einen Sturz mit mehreren Schädelbrüchen überstanden habe, möchte ich so etwas nie wieder erleben.

Böse Überraschung beim Sensorwechsel

Heute Morgen war der regelmäßige Sensorwechsel angesagt. Dabei wird der Sensor selbst, der mit einem Sensorfaden im Gewebe die Zuckermessung macht, von der Haut abgezogen und ersetzt.

Ebenfalls wird bei Bedarf der im Sensorrand „eingeklickte“ Transmitter gewechselt. Ein Transmitter hält etwa drei Monate. Beim Dexcom G6 sorgt dieser Transmitter (siehe Titelfoto) für die Übertragung der Werte zwischen dem Sensor und dem Smartphone. Für die Übertragung wird der Bluetooth-Standard genutzt.

Jeder Transmitter hat eine eigene, einzigartige Seriennummer, mit der er sich beim Smartphone anmeldet. So ist sichergestellt, dass nur meine eigenen Werte übertragen werden und nicht etwa die Werte meines Sitznachbarn im Zug.

Der Transmitter kann wie gesagt etwa drei Monate lang wiederverwendet werden. Er wird dazu einfach vom Sensorgehäuse getrennt und wieder auf den neuen Sensor aufgesetzt.

Heute Morgen waren die drei Monate des Transmitters fast abgelaufen und so holte ich einen neuen Transmitter aus der Verpackung und setzte diesen in den neuen Sensor am Oberarm ein. Im Anschluss daran muss ich die einzigartige Seriennummer noch in die Smartphone-App eintragen, damit sich Smartphone und Sensor verbinden können.

Das ging heute leider gründlich daneben. Ich habe wie immer die Seriennummer von der Verpackung in die App eingetragen.

Schwerer Fehler: Denn danach konnte das Smartphone den Transmitter nicht finden. Also wurden keine Blutzuckerwerte mehr gemessen und angezeigt. Kurz vor einem Meeting. Super.

Da kommt die Dexcom-Hotline ins Spiel

Weil also keine Verbindung möglich war, rief ich die technische Hotline von Dexcom an. Es folgte ein fast halbstündiges Telefonat, in dessen Verlauf ich unter anderem die Dexcom App neu installieren musste, Bluetooth checken und so weiter. Danach wieder die Seriennummer von der Verpackung eintragen.

Diese befindet sich zwar auch nochmal auf dem Transmitter selbst, kann aber nicht kontrolliert werden, wenn der Transmitter bereits mit dem Sensor verbunden ist. Das Ergebnis: Wieder keine Verbindung, nur Fehlermeldungen.

Erneutes längeres Telefonat mit der Hotline, die zum Glück ohne große Warteschleife erreichbar ist. Dabei habe ich dann auch die Seriennummer des Sensors (wieder von der Verpackung) durchgegeben. Dabei ist niemandem an der Hotline aufgefallen, dass diese Seriennummer gar nicht existiert. Oder vielleicht bei einem anderen Patienten genutzt wird.

Ich wurde gebeten, nochmal eine halbe Stunde zu warten. Denn das System kann bis zu 30 Minuten benötigen, um sich mit dem Transmitter zu verbinden. Gesagt, getan, gewartet. Und wieder die gleiche Fehlermeldung.

Es folgte, du wirst es sicher schon ahnen, ein weiteres Telefonat mit der Hotline. Ich war mir sicher, dass der Transmitter defekt sei und wollte nun schnell einen Austausch veranlassen. Das war auch unproblematisch. Zum Glück hatte ich noch einen Reserve-Transmitter im Schrank.

Der Schock war dann ziemlich groß

Um nur ja nichts zu übersehen, habe ich den vermeintlich defekten Transmitter nochmal ganz genau unter die Lupe genommen, nachdem ich ihn vom Sensor getrennt hatte.

Der Schock war groß, als ich dabei feststellte, dass die Seriennummer auf dem Transmitter selbst gar nicht dieselbe war, wie die auf der Verpackung angegebene. Auf dem Foto siehst du den Unterschied an der letzten Stelle der Seriennummer.

Zwei verschiedene Seriennummern, das geht gar nicht
Zwei verschiedene Seriennummern, das geht gar nicht

Das ist ja ein echt unglaublicher Herstellungsfehler. Wie kann so etwas passieren? Gibt es denn da keine durchgängigen Kontrollen für solch lebenswichtige Systeme? Das versuchte ich dann heute Nachmittag mit der Dexcom-Hotline zu klären. Leider konnte sich kein Verantwortlicher finden, der das mit mir besprechen wollte. Schade, aber ein „Rückruf innerhalb der nächsten zwei Tage“ ist natürlich viel zu wenig bei einem Problem dieser Dimension.

Wie es weiter ging

Nachdem ich dann die korrekte Seriennummer direkt vom Transmitter notiert und eingegeben hatte, funktionierte alles wieder wie gehabt. Doch natürlich beschäftige ich mich jetzt mit der Aufklärung der Sache. Denn ohne eine genaue Erklärung bin ich sehr misstrauisch, was die Zukunft angeht.

Aufklärung ist jetzt dringend

Wie ich ja oben schon erläutert habe, sind diese Systeme unter Umständen lebenswichtig. Man muss sich deshalb zu 100% darauf verlassen können, dass sie richtig arbeiten und sauber hergestellt werden. Daran dürfen keine Zweifel bestehen.

Natürlich habe ich immer ein herkömmliches Blutzuckermessgerät dabei, um im Notfall ausweichen zu können. Aber das ist natürlich für mich keine Lösung. Denn ich habe einen anstrengenden Job, bin häufig in Gesprächen mit meinem Team und meinen Kunden. Da kann ich nicht einfach alle zwei Stunden oder häufiger auf die Toilette gehen, um meinen Zucker blutig zu messen. Durch die Möglichkeiten der neuen CGM-Systeme haben wir natürlich einen anderen Tagesplan als früher. Gerade in Workshops ist das herkömmliche, blutige Zuckermessen echt schwierig, da die Pausen mit Gesprächen verplant sind.

Besonders schwierig ist die Situation für diejenigen, die Insulin über eine Pumpe mit einem Loop-System (z.B. das Diabeloop DGLB1) einsetzen und damit über das Dexcom G6 ihre Insulinpumpe steuern. Fällt der Sensor aus oder kann er wegen einer falschen Seriennummer erst gar nicht starten, dann ist das gesamte Insulinsystem nicht mehr nutzbar. Die Konsequenzen können sehr gefährlich werden. Nicht auszudenken, wenn sowas auf einer Reise passiert.

Was du tun kannst, wenn du ein Dexcom G6 verwendest

Die Lehre aus diesem Vorfall ist für mich, dass ich VOR dem Einsetzen eines neuen Transmitters die Seriennummern vergleichen werde. Maßgeblich ist nur die Seriennummer, die auf dem Transmitter aufgedruckt ist. Damit kann ich auf meiner Seite sicherstellen, alles mir Mögliche getan zu haben. Das solltest du auch in jedem Falle tun, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.

Ansonsten bleibt abzuwarten, was Dexcom zu der ganzen Sache noch sagen wird. Ich werde natürlich darüber berichten. Wenn du nichts verpassen willst, kannst du dich hier zum Newsletter anmelden. Die interessantesten Tipps, News und Informationen gibts dort immer zuerst.

Mehr als ein Jahr später…

Inzwischen ist mehr als ein Jahr vergangen. Dexcom hat sich jedoch zu diesem Problem nie wieder bei mir gemeldet. Die vielen Fragen, die sich aus dem krassen Dexcom-Fehler ergeben, sind bislang für mich unbeantwortet.

Na klar, Dexcom ist einer dieser riesigen Medizin-Konzerne. Wahrscheinlich bin ich zu naiv, wenn ich erwarte, das sich jemand mit einer kurzen Info abschließend bei mir meldet und ein Feedback gibt. Eine kurze Erklärung, dass der Fehler gefunden und das Problem behoben wurde.

Wäre ja kein großes Ding. Eine E-Mail hätte ja völlig gereicht. Das steht aber anscheinend nicht auf der ToDo-Liste bei Dexcom.

Deshalb bleibt mein Fazit: Dexcom hat bei mir an Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Vertrauen verloren. Langfristig ist das schlecht für Dexcom.

Und ich freue mich noch mehr auf die neuen, innovativen Möglichkeiten zur Blutzuckermessung, die gerade in der Entwicklung sind.

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FAQ zum Dexcom G6 Fehler

CGM ist die englische Bezeichnung für „dauerhafte Blutglucosemessung“ (Continous Glucose Monitoring). Diese Geräte messen regelmäßig, meist einmal in der Minute, den Blutzucker und senden den Wert an dein Smartphone oder ein mitgeliefertes Gerät des jeweiligen Herstellers. Die blutige Messung an der Fingerkuppe entfällt. Außerdem kannst du auch Nachts Werte aufzeichnen.

Die Seriennummern auf der Verpackung und auf dem Transmitter selbst waren unterschiedlich. Da die Nummer auf dem Transmitter nicht mehr sichtbar ist, sobald er eingesetzt ist, wird häufig der Wert auf der Verpackung ins System eingetragen. Ist dieser falsch, kann das System den Sensor gar nicht erst finden. Solange gibt es dann auch keine Zuckerwerte.

Eine Rücksprache mit einem verantwortlichen Mitarbeiter von Dexcom war über die technische Hotline nicht möglich. Es wurde ein Rückruf innerhalb von zwei Tagen versprochen.

Da der Seriennummer auf der Verpackung derzeit nicht vertraut werden kann, solltest du die Seriennummer auf dem Transmitter selbst aufschreiben, nachdem du ihn aus der Verpackung genommen hast.

Für eine Stellungnahme war Dexcom bislang nicht erreichbar. Telefonisch ist die Firma nur über ihre Kundenhotline erreichbar. Am 7.11. gabs den versprochenen Rückruf, mehr dazu siehe hier unten.

Update – Rückmeldung vom Dexcom Support

Inzwischen hat sich der Dexcom TechSupport telefonisch bei mir gemeldet, so wie es zugesagt worden war. Der Fehler trete selten auf, versicherte mir Selma Gul im Gespräch. Die Panne wird natürlich an die zuständigen Behörden gemeldet und man werde intern aufklären, wie das passieren konnte. Über die genauen Umstände konnte sie mir nichts sagen, wollte sich aber dafür einsetzen, dass noch eine Rückmeldung kommt. Das wird sicher noch eine Weile dauern, ich werde euch hier auf dem Laufenden halten. Wenn ihr direkt informiert werden wollt, was sich noch ergibt, dann meldet euch einfach hier zum Newsletter an. Dort gibts die wichtigsten Neuigkeiten, Tipps und Infos zuerst.

Fotos von Michi Wangard

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